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Detaillierte Version der Kirchengeschichte (3)

Der 30jährige Krieg

Den Beginn des 30jährigen Kriegs 1618 haben der Pfarrer und die Bewohner der beiden Pfarrgemeinden Weisendorf und Rezelsdorf zunächst offenbar gar nicht wahrgenommen. Die erhaltenen Rezelsdorfer Kirchenrechnungen zeigen auf, wie gänzlich ungestört das Leben in den beiden Gemeinden im Seebachgrund weiterlief.

Das Innere der evangelischen Kirche vor etwa 100 Jahren

Dies änderte sich auch in den folgenden Jahren noch nicht. Weisendorf war 1626, also acht Jahre nach dem offiziellen Ausbruch des Krieges, von 22 Untertanen und ihren Familien bewohnt, wobei die damaligen Großfamilien sicherlich in der Regel circa 8 – 10 Personen umfassten. Es darf also zu Kriegsbeginn mit bis zu 200 Einwohnern Weisendorfs gerechnet werden, die allesamt im Kirchenbuch erfasst worden sind. Das von Pfarrer Warmut angelegte Kirchenbuch umfasst die Taufen von 1579 – 1755, die Trauungen von 1580 – 1655, die Beerdigungen von 1640 – 1655 und die Kommunikanten von 1650 – 1655. Pfarrer Adam Grimm führte es ab 24. Mai 1615 bis 7. Oktober 1639. Erst seine Eintragungen ab 1632 spiegeln schlimme Kriegsereignisse wider. War doch der 30jährige Krieg ab jenem Jahr in sein für Franken ärgstes Stadium eingetreten. Der kaiserliche Feldherr Albrecht von Wallenstein lag mit seinem katholischen Heer vor Nürnberg und die protestantischen Haufen unter König Gustav Adolf von Schweden ihm gegenüber bei Zirndorf. Die marodierenden Söldner in beiden Heeren plünderten das ganze Gebiet ringsum und an der Regnitz abwärts. Sie kamen selbstverständlich auch bis nach Weisendorf, das insbesondere von den katholischen Kroaten im kaiserlichen Heer verwüstet wurde. Die Weisendorfer Bauern mussten sich vor ihnen in die Wälder in Sicherheit bringen, während von den protestantischen Schweden als befreundete Glaubensgenossen für sie nur selten Gefahr ausging, zumal der Eigentümer des Ritterguts Weisendorf, Wolf Dietrich Truchseß von Wetzhausen, bei der schwedischen Armee als Obrist diente und sein Rittergut selbstverständlich, so gut es ging, vor Überfällen schützte. In diesen schlimmen Jahren brach außerdem die Pest aus, die Pestwelle erreichte ihren Höhepunkt im Jahre 1634. Erst mit dem Prager Frieden fand das für Franken schlimme Schwedische Zwischenspiel 1635 sein vorläufiges Ende: Eine schwedische Aufstellung bezeichnet 47 Schlösser, 26 Städte und 313 Dörfer im Fränkischen Kreis als zerstört. Gleichwohl nimmt danach das Morden noch lange kein Ende: Marodierende kaiserliche und schwedische Heerhaufen ziehen abwechselnd immer wieder durch das Regnitztal und die Flusstäler von Aurach, Seebach und Aisch aufwärts.
Trotz der schweren Kriegszeiten führte Markgraf Christian von Brandenburg–Bayreuth (Regierungszeit 1603 – 1655) in seinen protestantischen Gemeinden das von seinem Superintendenten Stumpf 1630 herausgegebene markgräfliche Gesangbuch ein, das in den folgenden Jahren viele Auflagen und Erweiterungen erfuhr. Dieses Gesangbuch fand auch in Weisendorf und Rezelsdorf bis 1792 Verwendung.
Obwohl sie ihr Patron so gut schützte, wie es nur ging, können im Jahre 1635 vor allem auch als Folge von Pestepidemien und Landflucht nur noch 2 Familien in Weisendorf nachgewiesen werden. Danach findet sich im Kirchenbuch fünf Jahre lang bis 1640 kein einziger Eintrag mehr. Dies lässt vermuten, dass Weisendorf fünf lange Jahre fast wüst lag, die kirchlichen Handlungen anderswo, wahrscheinlich in Kairlindach, ausgeübt wurden und die Gebäude verfielen. Den Bauern in Rezelsdorf erging es wahrscheinlich nicht viel anders.

Das erneute Entstehen einer katholischen Gemeinde

Als im Jahre 1539 die Reformation in Weisendorf und etwa zur gleichen Zeit in Rezelsdorf eingeführt wurde, sah sich die katholische Konfession rasch gänzlich verdrängt. Während in Rezelsdorf bis heute kein nennenswerter Zuzug von Katholiken zu verzeichnen ist, blieben die Protestanten in Weisendorf nur bis 1656 unter sich. Ursache dafür war, dass das Rittergut Weisendorf stets ein Würzburger Lehen gewesen ist und die Bischöfe bzw. Fürstbischöfe von Würzburg und in Personalunion mit Bamberg im Geiste der Gegenreformation immer dann, wenn das Gut zum Verkauf anstand, ihren Einfluss mit aller Macht dahingehend geltend machten, dass nur ein gläubiger Katholik das Rittergut und damit das Patronat in Weisendorf erwarb. Jene gegenreformatorischen Bemühungen kamen ab 1686 zum vollen Erfolg, als Hans Georg Freiherr von Lauter das Rittergut Weisendorf erwarb. Er und seine katholischen Nachfahren im Gutsbesitz sorgten dafür, dass die Zahl der in Weisendorf beheimateten Katholiken im Rahmen einer zielstrebigen Ansiedlungspolitik beständig wuchs. Auf diese Weise entstand bereits 1763 eine provisorische katholische, dem Bistum Würzburg zugehörige Kuratie in Weisendorf, die 1807 ins Bistum Bamberg eingegliedert und 1811 als inzwischen auf die gleiche Seelenzahl wie die evangelische Pfarrgemeinde angewachsene Kuratie sowohl vom bayerischen König als auch vom bischöflichen Generalvikariat Bamberg anerkannt wurde. Dabei blieb freilich die katholische Gemeinde in die evangelische Parochie eingepfarrt.
In dieser Zeit des stetigen Anwachsens der katholischen Kuratie gab es viele Streitigkeiten zwischen den Pfarrgemeinden der beiden Konfessionen, die vor allem durch die Gutsherrschaft, aber auch von den jeweiligen Priestern ausgelöst wurden. Gerade unter den Pfarrern gab es seinerzeit recht kantige, streitbare Persönlichkeiten, die keiner Auseinandersetzung aus dem Wege gingen. Mit Feuereifer verteidigte der protestantische Pfarrer seine Vorrechte bei der Matrikelführung von Tauf-, Eheschließungs- und Todeseinträgen gegen die vorschnellen Kapuzinerpatres aus Höchstadt, die zunächst die katholische Gemeinde betreuten. Dies insbesondere auch deshalb, weil die Personenstandsführung mit Gebühren verbunden war, die dem jeweils berechtigten Geistlichen zustanden. Als dann in der Kuratie eigene Pfarrer die Gläubigen pastoral betreuten, wurde zwar die Matrikelführung einvernehmlich durchgeführt, aber andere Reibungspunkte blieben erhalten. Die Protestanten störten sich vornehmlich an den aufwendigen liturgischen Formen der Katholiken, die besonders bei Prozessionen stolz zur Schau getragen wurden. Sie betrachteten diese lange Zeit als Herausforderung und taten im Gegenzug vieles, um die Katholiken zu ärgern. So verrichteten sie an den katholischen Feiertagen möglichst schmutzige und anrüchige Feldarbeit.

St. Josefshaus

Ein weiterer wesentlicher Streitpunkt war die konfessionsgemischte Ehe. Die katholische Kirche verlangte, dass in einer solchen Ehe die Kinder katholisch erzogen werden müssten, während die evangelische Kirche nur darauf bestand, dass wenigstens die Knaben in der Konfession des Vaters und die Mädchen in der der Mutter aufgezogen werden müssten. Wenn das Ehepaar die katholische Kindererziehung nicht beglaubigte, nahm der katholische Pfarrer die Trauung keinesfalls vor. Im gegenteiligen Fall verweigerte der evangelische Pastor die Trauung. So verbreitete man viel Streit unter den jungen Brautleuten und ihren Eltern.
Als Beispiel für den Umgang der evangelischen und katholischen Geistlichen miteinander mag ein besonders krasser Streitfall dienen: Der evangelische Pfarrer Basold war ein außergewöhnlich mildtätiger Mann und spendete stets ziemlich großzügig all jenen, die um Almosen an seiner Tür bettelten, kleinere und größere Geldsummen, die er dann freilich nicht aus eigener Tasche bezahlte, sondern mit der Kirchenstiftung abrechnete. Er hatte den Kirchenpflegern sogar den ausdrücklichen Befehl erteilt, dass sie auch dann, wenn er persönlich nicht anwesend war, Bettler keinesfalls von der Pfarrhaustür weisen dürften. Dabei machte er keinen Unterschied, ob die Bettler evangelisch waren oder nicht. Er gab auch Franziskanermönchen reichlich Almosen. Sogar einem bettelnden Türken hat er 1778 ein Almosen von einem ganzen Gulden ausbezahlt: Wahrlich viel Geld in der damaligen Zeit und dazu noch für einen Türken! Für gewöhnlich wurden an Bettler nur Geld in der Größenordnung von 10 – 20 Kreuzern gegeben; meistens gar nichts.
Der offenbar manchmal sehr naive Pfarrer Basold wurde 1778 wegen einer intrigant eingefädelten Affäre mit der Köchin des katholischen Schlosskaplans Georg Lorenz Bäumler aus dem Amt entlassen. Angeblich habe ihn der Schlosskaplan und provisorische Kuratus, mit dem er seit seinem Amtsantritt wegen der leidigen Zuständigkeitsfragen ständig in Streit gelegen hatte, betrunken gemacht und ihn, den verheirateten evangelischen Pfarrer, dann zu seiner Köchin ins Bett gelegt. Um für eine Anklage wegen Hurerei Zeugen zu haben, holte der niederträchtige Schlosskaplan Bäumler eiligst Nachbarn herbei, wahrscheinlich katholische Mitbewohner aus dem Schloss, die sich die beiden im Bette besahen. Diese Affäre war für Pfarrer Basold höchst peinlich und so verließ er seine Pfarrstelle fluchtartig.
Der Darstellung des Pfarrers Basold über diese Affäre darf man gewiss misstrauen, denn er hatte wohl keinen Grund, mit dem ungeliebten katholischen Schlosskaplan, mit dem er wegen der "iura stolae" in einem erbitterten Streit gelegen hatte, sich in aller Freundschaft zu betrinken. Da er eine unglückliche Ehe mit der Frau seines Vorgängers führte, könnte er sehr wohl auch aus freien Stücken ins Bett der Köchin gefunden haben.
Da die Pfarrgemeinde bei seinem Abzug jedoch noch Schulden bei ihm hatte und er jetzt die sofortige Zurückzahlung verlangte, musste diese sich das Geld beim herrschaftlichen Amtsverweser Eichinger borgen. Der überhastete Abzug des evangelischen Pfarrers erlaubte es dem katholischen Kuratus Bäumler, sich der Kirchenmatrikel im leerstehenden evangelischen Pfarrhaus zu bemächtigen und selber darin Einträge vorzunehmen. Schullehrer Leckert muss auch Akten aus der Pfarrregistratur entwendet haben, denn es finden sich noch 1848 einzelne Aktenfaszikel unter dem Dachstuhl des Schulhauses. Wenn nicht alles trügt, hat auch Schlosskaplan Bäumler wohl wegen dieser Affäre Weisendorf verlassen müssen. Wie es der Köchin erging, hat niemand aufgeschrieben.

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